Sprache / language

raumbezogene Arbeiten, in deren Vordergrund nicht die ästhetische Sicht auf die Welt steht, sondern die, die Funktionen der bespielten Räume thematisieren

blue cube

Installation aus blauen Müllsäcken

9 x 4 x 4 Meter, Jahrhunderthalle, Bochum, April/2000
Eine Auftragsarbeit des USB - Umweltservice Bochum - zum 100jährigen Firmenjubiläum


 
Eine aus blauen, mit Luft gefüllten Müllsäcken 9 Meter hohe Skulptur mit quadratischem Grundriß von 4 x 4 Metern in der Halle 1 der Jahrhunderthalle. Während der Veranstaltung ›Ein Jahrhundert Städtereinigung‹ wächst sie unter den Augen der Besucher zur Decke.



Aquarium

Rauminstallation in den Räumen des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG, Essen
Mai - Oktober 2000


Carola Schneider: Kunst im Glashaus - Zu der Arbeit 'Aquarium'

In einem der Büroräume hat Karl-Heinz Mauermann eine kinetische Arbeit installiert, die den Raum in ein Aquarium ohne Wasser verwandelt und ihn schlichtweg unbenutzbar macht: 10 Goldfische unterschiedlicher Größe hängen an dicken Nylonfäden, die über Umlenkrollen an der Decke mit Motoren verbunden sind. Über eine Pleuelstange werden die Fäden in eine Auf- und Abwärtsbewegung versetzt, so dass die Fische gehoben und gesenkt werden. Illusionistische Effekte sind jedoch nicht die Intention des Künstlers: Die Bewegung der Fische ist unnatürlich und mechanisch, die Motoren, die Zeitschaltuhren sowie die technische Apparatur sind offen sichtbar, wie auch die Strukturen in einem Unternehmen für Insider nach kurzer Zeit durchschaubar werden. Obwohl die Fische aus unterschiedlichen Materialien (Holz, Styropor und Plastik) bestehen, werden sie durch den einheitlichen Goldlack zugleich veredelt und uniformiert. Die marionettenhafte Aufhängung nimmt den Fischen die Möglichkeit einer natürlichen Bewegung. Jegliche Ähnlichkeiten mit real existierenden Strukturen sind nicht ausgeschlossen. Frei nach Adorno wird darüber gelacht, dass es nichts zu lachen gibt.

 



Planungsarbeit für eine Innenraumgestaltung (2000) bei dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG, Niederlassung Essen.

In einem Büroraum wird eine kinetische Arbeit installiert. Plastik-Gold-Fische hängen an Nylonfäden von der Decke. Die Fäden sind über Umlenkrollen an der Decke mit einem Motor verbunden, der die Fische über eine Pleuelstange in eine Auf-/ Abwärtsbewegung versetzt. Der Motor, die Rollen und die Fäden sind offen sichtbar. Die Bewegung der Fische ist unnatürlich und mechanisch. Es handelt sich also nicht um eine illusionistische Arbeit. Die Fische sind mit Sprühlack golden gefärbt.

Bei den Vorgesprächen zu dem Projekt erklärte Hans-Joachim Früh, der Leiter der KPMG-Niederlassung in Essen, daß er sich eine Arbeit wünsche, die die Mitarbeiter zur Diskussion über ihre Tätigkeit und über die gesellschaftliche Relevanz ihres Tuns anrege. Die Arbeit ist Teil des Projektes "corporate citizenship" der KPMG. Bei verschiedenen Besuchen der Firma wird deutlich, daß - ganz im Sinne eines Wirtschaftsprüfungsunternehmens - der Arbeitsraum bewirtschaftet ist. Nicht jeder Mitarbeiter hat einen eigenen Raum, vielmehr verfügt jeder über einen Rollcontainer, mit dem er, wenn er in der Firma und nicht außerhäusig arbeitet, einen gerade freien Raum bezieht. Die Räume sind relativ klein und nach allen Seiten hin verglast. Die Arbeitsflächen sind in ihrer Auslastung genau und effizient berechnet.
 
Aquarium greift hier ein. Der gesamte Raum wird für sechs Monate zum Aquarium, ist also anderweitig nicht nutzbar. Eine Arbeit über Ästhetik, Effizienz und Bewegung in der Arbeitswelt.

 

bagage depot

bagage depot / left luggage office / Gepäckaufbewahrung

Die Kleinstadt Delden in den Niederlanden nutzt das ehemalige Bahnhofsgebäude, das an einer noch befahrenen Strecke liegt, als Städtische Galerie. Es wird von der Künstlergruppe MIKC über viele Jahre mit einer Ausstellungsserie Perron 1 bespielt. MIKC lädt niederländische, aber auch internationale Künstler ein, raumbezogene Arbeiten zu erstellen.

Karl-Heinz Mauermann zeigt vom 16. März bis zum 20. April 2001 die Rauminstallation bagage depot / left luggage office / Gepäckaufbewahrung. Zwölf Torsi, männliche Schaufensterpuppen schauen starr und unverwandt in den Raum der kleinen ehemaligen Bahnhofshalle. An der ihnen gegenüberliegenden Wand liegen zwölf Koffer. Wie hingeworfen, durcheinander, leicht offen stehend. In ihnen schwellen Lichter an und dimmen wieder ins Dunkle. Das Lichtspiel erfolgt nicht synchron. Die Koffer erwecken den Anschein zu leben.

 

 

In der Nacht strahlt das Licht aus dem Koffern durch die Fenster weit nach außen. Vom Bahnsteig und von der Straße ist das geheimnisvolle Spiel des Lichtes zu sehen. Reisende und Pendler sind ebenso fasziniert wie Passanten und vorbeifahrende Autofahrer.

 

Goldener Tisch

 

 

 

Ein goldener Tisch für den Oberbürgermeister der Stadt Essen

Tische der Kommunikation - Ein Projekt der Städtischen Galerie im Museum Folkwang, Kurator Necmi Sönmez
09. August bis 14. Oktober 2001

 


Karl-Heinz Mauermann entwarf im Herbst 2001 einen Tisch für den Oberbürgermeister der Stadt Essen im Rahmen des Projektes Tische der Kommunikation des Museum Folkwang. Nach Abschluß des Projektes wurde der Tisch angekauft und dient weiter als Besprechungstisch im Büro des Oberbürgermeisters.


Katalogtext

Necmi Sönmez: Karl-Heinz Mauermann Goldener Tisch

Kiefernholz vergoldet, 90 x 200 x 73 cm Nachbildung eines Arbeiterküchentisches der 1920er Jahre

Im Büro des Oberbürgermeisters der Stadt Essen steht für die Projektdauer ein goldener Tisch, an dem Besprechungen stattfinden. Karl-Heinz Mauermann orientierte sich in seinem Entwurf am Design von einfachen Küchentischen, wie sie seit den 30er und 40er Jahren in Arbeiterküchen zu finden waren. Dieser Tisch ist allerdings größer als die Vorbilder; an ihm können bequem acht Personen Platz finden. Der Tisch ist vollständig vergoldet - von den Beinen über Zarge, Schublade bis zur Platte. Der Entwurf wurde mit Hilfe der Gesellschaft für soziale Dienste Essen (GSE), einer Behindertenwerkstatt, und mit der des Vergoldermeisters Michael Rothäuser umgesetzt.

Mauermann spielt in dieser Arbeit mit einer Bandbreite sich teilweise kommentierender, auch Widersprüche aufdeckender Konnotationen. Diese beginnen bei der sich im Essener Münsterschatz befindenden "Goldenen Madonna", der ältesten nördlich der Alpen erhaltenen vollplastischen Mariendarstellung, in der Goldblech über einen Holzkern geformt wurde. Sie reichen über Anspielungen auf den Strukturwandel im Revier, über böse Kommentare zur Großmannssucht der Revierstädte, die sich gegenseitig zu übertreffen versuchen, über die Hommage an die Arbeiterschaft, auf deren Fleiß sich der ehemalige Wohlstand der Region gründete, bis hin zum Antagonismus, daß der Oberbürgermeister angesichts eines Millionenlochs in der Stadtkasse am goldenen Tische sitzt.

Dieser Tisch ist als Gebrauchsgegenstand geplant. In zuvor geführten Gesprächen wies der Oberbürgermeister Dr. Reiniger darauf hin, daß er achtzig Prozent seiner Arbeitszeit in Besprechungen verbringe und daher der Besprechungstisch in seinem Büro sein zentraler Arbeitsplatz sei. Mauermann greift mit seiner Arbeit in diese Situation ein, irritiert mit ihr die an diesem Tisch Sitzenden, ohne die Gespräche zu stören. Im Gegenteil lädt dieser Tisch zur Kommunikation ein, weckt Neugierde, schafft Faszination.

Nach dem Aufbau des Tisches im Büro des Dr. Reiniger, Frau Paul aus dem Büro des Oberbürgermeisters / Dr. Reiniger

 

aus dem Pressetext des Projektes:

Ayse Erkmen, Joachim Knobloch, Karl-Heinz Mauermann, Gerhard Merz, Neringa Naujokaite, Renate Neuser, Christiana Protto, Christoph Rodde, Claudia Sacher, Johannes Sandberger, Joerg Zboralski

Der Tisch ist ein Ort der Kommunikation, und Kommunikation ist einer der wichtigsten Sozialisationsvorgänge. Das Projekt "Tische der Kommunikation" beinhaltet zehn konkrete Tischkonstruktionen internationaler und ortsansässiger KünstlerInnen, die durch ihre künstlerische Aussage ungewöhnliche Wege der Kommunikation mit der Öffentlichkeit beschreiten wollen. Die von den KünstlerInnen gestalteten Tische werden an zehn verschiedenen öffentlichen, halb öffentlichen und privaten Orten in Essen plaziert, so z.B. in einem Krankenhaus, einem Altenheim, einem Unternehmen und im Büro des Oberbürgermeisters, Herrn Dr. Wolfgang Reiniger .
Eine Ausstellung im traditionellen Sinne wird es nicht geben. Die Tische werden während des Projektes als Orte der Begegnung genutzt: Fachleute und die interessierte Öffentlichkeit werden zu mindestens zwei öffentlichen Diskussionsrunden pro Tisch eingeladen, deren Themen in Zusammenarbeit mit den beteiligten KünstlerInnen festgelegt werden und auch vom Standort des Tisches beeinflußt sein sollen. Geleitet werden die Gespräche jeweils vom Kurator des Ausstellungsprojekts, Herrn Dr. Necmi Sönmez. Das Projekt setzt somit auf bisher noch nicht genug genutzte Potentiale des Sprechens über Kunst.
Ziel des Projektes ist, eine "experimentelle" und unkonventionelle Interaktion zwischen den KünstlerInnen, den Ausstellungsorganisatoren und einer möglichst großen Öffentlichkeit zu erreichen.

Nach dem Aufbau des Tisches, Dr. Reiniger sieht den Tisch zum ersten Mal / Frau Heil, Referentin des Oberbürgermeisters

 


 

 




Im Himmel, im Himmel / isch e guldige Tisch,
da sitze die Ängel / bi Fleisch und bi Fisch.

Kinderreim, aus: Haffmans Himmlisches Hausbuch der Engel    

 



Die Küchenmöbel sollen von schlichter Form, aber solide gearbeitet sein. (...)
Ob man die Küchenmöbel weiß, lichtgrau oder lichtblau streicht, ist Geschmackssache, aber helle, freundliche Farben sollte man wählen.


Richtig Haushalten, Grundregeln durchdachter Hausarbeit, Ein Lehrbuch von Cornelia Kopp, Leipzig/Berlin 1933

 



Avch machet Salomo allen Gezeug der zum Hause des HERRN gehöret /
nemlich / einen gülden Altar / einen gülden Tisch / darauff die schawbrot ligen.

1. Könige 7; 48    

 

 

In der Vergolderwerkstatt



Der rohe Holztisch / Michael Rothäuser, Vergoldermeister in Essen



•    Vergolderwerkstatt Rothäuser

•    Westfalenstr. 98

•    45136 Essen

•    Tel. 0201 - 5147801

 mit herzlichem Dank an Michael Rothäuser, ohne den das Projekt nicht so hätte stattfinden können.