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Automaten und Halbautomaten

 

 

Automaten und Halbautomaten, Demonstration im Marstall Schloß Benrath, Düsseldorf, 6.4.1994,
Einladung durch Neuer Tanz
 


 
Karin Stempel

Dramen des Alltags oder alltägliche Dramen
Die Automaten und Halbautomaten Karl-Heinz Mauermanns

Ja oder Nein, An oder Aus – der Benutzer von Mauermanns Automaten und Halbautomaten befindet sich in einer permanenten Entscheidungsneurose; mehr noch, die Logik der Automaten unterläuft die Logik des Benutzers, obwohl keine Betriebsstörungen vorkommen. Ganz im Gegenteil.
 
Die Bedienungsanleitungen sind klar und präzise formuliert: Ja-Taste drücken / Nein-Taste drücken. Funktion: das Lämpchen geht an / das Lämpchen geht nicht an. Logisch!
 
Aber seien Sie mal ehrlich, haben Sie nicht erwartet, daß Sie etwas auslösen, wenn Sie auf die Nein-Taste drücken? Haben Sie auch – nämlich, daß das Lämpchen nicht aufleuchtet. Alles klar? Na also.
 
Und außerdem: haben Sie wirklich geglaubt, giftig sei nur dann giftig, wenn das Meßgerät eingeschaltet ist? Ein- oder ausschalten können Sie jedoch nur die Beleuchtung der Anzeige. Das ist schmerzlich, aber wahr.
 
Geben Sie es zu: Mauermanns banale Apparate haben Sie ausgetrickst. Immer ist alles ganz anders als erwartet, auch wenn immer alles ganz so ist, wie man es hätte erwarten können. Natürlich leuchtet die Alarmanzeige auf, wenn Sie signalisieren, daß eine Gefahr besteht, und sie geht aus, wenn Sie den Gefahrenschalter zurückstellen – oder was hatten Sie erwartet?
 
In der Welt der Automaten geschieht alles nur nach Plan. Automaten denken nicht oder etwa doch? Vielleicht sieht es nur so aus. Da gibt es eine Logik des Funktionierens  –  einen Mechanismus, der in Gang gesetzt wird oder auch nicht, den man steuern und beherrschen, einschalten und ausschalten kann wie Sie …
 
Aber lassen wir das. Die Situation ist absurd und die Diskussion müßig. Wir wissen doch alle Bescheid. „Einen Jux will er sich machen” - am besten ist, man lacht. Lachen ist gesund. Das hat schon Valentin gewußt. Und Lachen befreit, zuweilen auch vom Denken. – Und zu viel Denken schadet nur.
 
Also nehmen wir diese Automaten nicht ernst. Eine Spielerei, geist- und humorvoll, ironisch, ja manchmal auch subtil, zuweilen mit Esprit und dem diskreten Charme der Unschuld.
 
Doch Vorsicht: es funktioniert – oder haben Sie wirklich geglaubt, diese komischen Schachteln und Kisten, diese Lämpchen und Schalter sind die Automaten? Auf Knopfdruck reagieren SIE - oder etwa nicht?


AB 45134, Halbautomat / akustisch, 1994, 20 x 28 x 16

 

 

 



4/4 DIE DRITTE
 

Vom 3.6. bis zum 1.7. 1994 zeigt das Kunsthaus Essen die dritte jurierte Ausstellung Essener Künstler in einer Serie von vieren.
die Jury: Ute Eskildsen, Gerhard Finkh, Gerd Schütte, Herrmann Sturm



Angelika Held

Automaten und Halbautomaten

Zu den Arbeiten Karl-Heinz Mauermanns

Weniger der ästhetische Reiz, noch die Bearbeitung eines gegebenen Materials interessieren Karl-Heinz Mauermann. Stattdessen sind es Aphorismen, mit denen der Künstler sich auseinandersetzt und die er in eine eigene Bildsprache umwandelt. Dabei versteht sich Karl-Heinz Mauermann sowohl als bildender Künstler als auch als Sprachkünstler. Mit seiner Kunst erzählt er Geschichten, die eine eigene Realität vor Augen führen.
 
Alltägliche visuelle und akustische Zeichen der Medienwelt werden aufgegriffen und in einen völlig anderen Sinnzusammenhang gebracht. Vorhandene logische Zusammenhänge werden aufgelöst, neu kombiniert, neue Logismen werden geschaffen. Bildliche und sprachliche Zeichen werden einander gegenübergestellt.
Angefangen hatte er mit kleinen Heften, die satirische Ratschläge zur Verhaltensweise in bedrohlichen Lebenssituationen gaben; in den späteren Arbeiten kam das Medium Computer hinzu, mit dessen Hilfe akustische Signale umgesetzt und die surrealen Erzählungen um eine zusätzliche Ebene erweitert werden konnten. Der Computer selbst wurde als kommunizierender Apparat eingesetzt.
 
Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten sind selbstgebaute Maschinen, die auf einfache Art den komplizierten Mechanismus des Computers aufgreifen und den Betrachter zum aktiven Handeln auffordern. Kurze Bedienungsanleitungen beschreiben das genaue Vorgehen. Dabei wird der Ausstellungsbesucher auf sinnfälligste Logismen gestoßen, die er ohnehin schon kennt, ohne den beschriebenen Anweisungen folgen zu müssen. Die Neugierde und das innere Verlangen des Begreifenwollens treibt ihn dennoch dazu. Das letztendliche Verständnis des Funktionierens wird jedoch nicht preisgegeben. Dem Benutzer werden lediglich Schlußfolgerungen vor Augen geführt, er selber mit seiner Fähigkeit zur unendlichen Analogiebildung konfrontiert.
 
Karl-Heinz Mauermann spielt mit einfachen logischen Sinnzusammenhängen und setzt so die vom Betrachter geführten Analogieschlüsse auf humorvolle Weise in seinen Arbeiten um. Er schafft „Kunst für die Massen”, die jedermann ansprechen und einen spielerischen Umgang mit ihr ermöglichen. Seine Arbeiten sind keine kostbaren Kunstobjekte, die eine Distanz zwischen ihnen und dem Kunstrezipienten schaffen. Stattdessen fordern einfache Materialien wie Pappkartons oder andere Alltagsgegenstände zum aktiven Umgang mit der Kunst auf.