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Goldener Tisch

 

 

 

Ein goldener Tisch für den Oberbürgermeister der Stadt Essen

Tische der Kommunikation - Ein Projekt der Städtischen Galerie im Museum Folkwang, Kurator Necmi Sönmez
09. August bis 14. Oktober 2001

 


Karl-Heinz Mauermann entwarf im Herbst 2001 einen Tisch für den Oberbürgermeister der Stadt Essen im Rahmen des Projektes Tische der Kommunikation des Museum Folkwang. Nach Abschluß des Projektes wurde der Tisch angekauft und dient weiter als Besprechungstisch im Büro des Oberbürgermeisters.


Katalogtext

Necmi Sönmez: Karl-Heinz Mauermann Goldener Tisch

Kiefernholz vergoldet, 90 x 200 x 73 cm Nachbildung eines Arbeiterküchentisches der 1920er Jahre

Im Büro des Oberbürgermeisters der Stadt Essen steht für die Projektdauer ein goldener Tisch, an dem Besprechungen stattfinden. Karl-Heinz Mauermann orientierte sich in seinem Entwurf am Design von einfachen Küchentischen, wie sie seit den 30er und 40er Jahren in Arbeiterküchen zu finden waren. Dieser Tisch ist allerdings größer als die Vorbilder; an ihm können bequem acht Personen Platz finden. Der Tisch ist vollständig vergoldet - von den Beinen über Zarge, Schublade bis zur Platte. Der Entwurf wurde mit Hilfe der Gesellschaft für soziale Dienste Essen (GSE), einer Behindertenwerkstatt, und mit der des Vergoldermeisters Michael Rothäuser umgesetzt.

Mauermann spielt in dieser Arbeit mit einer Bandbreite sich teilweise kommentierender, auch Widersprüche aufdeckender Konnotationen. Diese beginnen bei der sich im Essener Münsterschatz befindenden "Goldenen Madonna", der ältesten nördlich der Alpen erhaltenen vollplastischen Mariendarstellung, in der Goldblech über einen Holzkern geformt wurde. Sie reichen über Anspielungen auf den Strukturwandel im Revier, über böse Kommentare zur Großmannssucht der Revierstädte, die sich gegenseitig zu übertreffen versuchen, über die Hommage an die Arbeiterschaft, auf deren Fleiß sich der ehemalige Wohlstand der Region gründete, bis hin zum Antagonismus, daß der Oberbürgermeister angesichts eines Millionenlochs in der Stadtkasse am goldenen Tische sitzt.

Dieser Tisch ist als Gebrauchsgegenstand geplant. In zuvor geführten Gesprächen wies der Oberbürgermeister Dr. Reiniger darauf hin, daß er achtzig Prozent seiner Arbeitszeit in Besprechungen verbringe und daher der Besprechungstisch in seinem Büro sein zentraler Arbeitsplatz sei. Mauermann greift mit seiner Arbeit in diese Situation ein, irritiert mit ihr die an diesem Tisch Sitzenden, ohne die Gespräche zu stören. Im Gegenteil lädt dieser Tisch zur Kommunikation ein, weckt Neugierde, schafft Faszination.

Nach dem Aufbau des Tisches im Büro des Dr. Reiniger, Frau Paul aus dem Büro des Oberbürgermeisters / Dr. Reiniger

 

aus dem Pressetext des Projektes:

Ayse Erkmen, Joachim Knobloch, Karl-Heinz Mauermann, Gerhard Merz, Neringa Naujokaite, Renate Neuser, Christiana Protto, Christoph Rodde, Claudia Sacher, Johannes Sandberger, Joerg Zboralski

Der Tisch ist ein Ort der Kommunikation, und Kommunikation ist einer der wichtigsten Sozialisationsvorgänge. Das Projekt "Tische der Kommunikation" beinhaltet zehn konkrete Tischkonstruktionen internationaler und ortsansässiger KünstlerInnen, die durch ihre künstlerische Aussage ungewöhnliche Wege der Kommunikation mit der Öffentlichkeit beschreiten wollen. Die von den KünstlerInnen gestalteten Tische werden an zehn verschiedenen öffentlichen, halb öffentlichen und privaten Orten in Essen plaziert, so z.B. in einem Krankenhaus, einem Altenheim, einem Unternehmen und im Büro des Oberbürgermeisters, Herrn Dr. Wolfgang Reiniger .
Eine Ausstellung im traditionellen Sinne wird es nicht geben. Die Tische werden während des Projektes als Orte der Begegnung genutzt: Fachleute und die interessierte Öffentlichkeit werden zu mindestens zwei öffentlichen Diskussionsrunden pro Tisch eingeladen, deren Themen in Zusammenarbeit mit den beteiligten KünstlerInnen festgelegt werden und auch vom Standort des Tisches beeinflußt sein sollen. Geleitet werden die Gespräche jeweils vom Kurator des Ausstellungsprojekts, Herrn Dr. Necmi Sönmez. Das Projekt setzt somit auf bisher noch nicht genug genutzte Potentiale des Sprechens über Kunst.
Ziel des Projektes ist, eine "experimentelle" und unkonventionelle Interaktion zwischen den KünstlerInnen, den Ausstellungsorganisatoren und einer möglichst großen Öffentlichkeit zu erreichen.

Nach dem Aufbau des Tisches, Dr. Reiniger sieht den Tisch zum ersten Mal / Frau Heil, Referentin des Oberbürgermeisters